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Nr.02 Mosquito , Pilot: John A. Pruis, Absturz: 09 April 1945 bei Reisenbach/ Eberbach

 

Flugzeugtyp:   DeHavilland Mosquito

Flugzeugkennung: NS792

Pilot: John A. Pruis

Navigator:Claude C. Moore

Einheit: Aufklärer der 8th Air Force, 25th Bomber Group

Datum: 9 April 1945,

Uhrzeit: gegen 17:45

Angriffsziel: Oberpfaffenhofen Dornier Werke

Absturzursache: Luftkampf , vermutlich friendly fire durch FFAF Freie Französsische Air Force (P-51)

Absturzort: Reisenbacher Grund bei dem Jagdschloß Max Wilhelms Höhe                        

Status: C.C. Moore, überlebt durch Falschirmabsprung. John A. Pruis kam bei dem Absturz ums Leben.

Heimatflughafen: Watton, Grafschaft Northfolk. England                         

 

 Claude Moore

Absturzbericht von Navigator Claude Moore. Interview by Norman Malayney.

 Am Nachmittag des 9ten April, hoben die 1Lts John A. Pruis und Claude C. Moore mit der Mosquito, Kennung NS792 ab, für eine ereignisreiche Mission mit tragischen Konsequenzen. Dies war eine Fotoüberwachungs- Mission der eine mit großem Aufwand vorausgegangene Bomber Mission war, von der 1st Air Division zu dem Dornier Flugzeugwerk in Oberpfaffenhofen, ein ca. 20 Meilen nördlichen gelegener Vorort von München im südöstlichen Deutschland.

Moore:

Wir trafen uns mit der Bomberformation vor der IP (Abwurfziel), was so ca. 28 Meilen von dem Ziel entfernt war. Am IP stiegen wir 2,000 Fuß über die Bomber and begannen Metallstreifen abzuwerfen um radargeleitete Signale zu stören. Ich aktivierte die Kamera als wir über das Ziel flogen um die Fotoberichterstattung zu erhalten bevor das Bombardement losging. Nachdem wir das Ziel passiert hatten, drehten wir und folgten den Bombern um den Schaden auf Bild fest zu halten. Gründlichkeit war eine meiner Eigenschaften und da ich noch unbenutzte Filme hatte, weißte ich Pruis an noch einmal über das Ziel zu fliegen damit ich noch Fotos machen konnte. Dieses Manöver distanzierte uns recht weit hinter die anderen Mosquitos.Wir machten uns auf einen 314 Grad Kurs in Richtung den Mosquitos um sie evtl. zu treffen und zurück zur Basis nach England zu fliegen.Dies war Pruis dritte Mosquito Mission mit dem 25th BG. Zuvor absolvierte er ein Tour in einem B-24 Bomber. Als Pilot war er um den Spritverbrauch besorgt, besonders erwägend wegen der Distanz unserer Mission. Obwohl der Spritverbrauch knapp werden würde, waren alle Bedenken bezüglich des Motors und der Flugzeugleistung geringfügig.Auf einer Höhe von 20,000 Fuß konnten wir in einiger Entfernung drei Flugzeuge sehen die Richtung England unterwegs waren. Wir nahmen an, dass es sich hierbei um unsere Mosquitos handele. Als wir näher kamen, machten Pruis und ich aus, dass es P-51 waren, allerdings mit RAF (Royal Air Force) Rumpfkennung. Sie flogen links ab und ich beachtete sie nicht weiter.Einige Minuten später, ich bemerkte auf meinem Navigationsdiagram eine Erschütterung. Mit zwei laufenden Motoren war der Hinweis auf eine Explosion weniger ein Geräusch sondern eher ein starker Ruck. Ich realisierte erst dass wir Probleme hatten, als Pruis über dem Steuerknüppel zusammenbrach. Ich versuchte zu helfen, konnte ihn aber nicht bewegen.Die Mosquito begann eine rechts Drehung mit dem rechten Motor in Flammen. Die Flammen von der rechten Seite oder dem Steuerbord-Motor, loderten über beiden Notausstiegen bei dem Cockpit sowie dem Bodenausstieg. Schwarzer Rauch kam von der rechten Seite der Nase zwischen Cockpit und Rumpf. Ich wusste nicht was passiert war. Ich hatte kein feindliches Flugzeug gesehen weder hinter uns noch über uns.

Meinen Fallschirm trug ich nie während einer meiner Missionen. Der Hauptschirm brachte mich zu weit hoch in Relation zum Cockpit und dem Arbeitstisch. Der Brustfallschirm drückte mich zu weit weg von dem Arbeitstisch und es war sehr hinderlich damit zu arbeiten. Ich verstaute den kpl. Fallschirm auf einem kleinen Regal hinter dem Piloten.

Die zentrifugale Kraft von dem trudelnden Flugzeug war enorm. Ich benötigte eine extrem lange Zeit um an meinen Fallschirm zu kommen. Es benötigte die Kraft beider Arme um an den Fallschirm zu kommen und ihn zu mir heran zu ziehen. Ich machte den Versuch ihn an meine Fliegerkoppel zu befestigen, aber durch die Zentrifugalkraft konnte ich ihn nur an einer Seite befestigen. Ich vermutete dass ich es nicht gründlich genug tat. Später wurde mir bewusst, dass ich es nicht schaffte wegen Schrapnellverletzungen an meinen linken Arm die durch den Beschuss der Maschine kamen.

Wenn ich durch die Bodenluke, was normal wäre, ausstieg, hatte ich die Befürchtung, dass die Flammen in das Cockpit kommen würden. Mir war es nicht möglich Pruis zu helfen, aber falls er wieder zu Bewusstsein kommen würde und es ihm möglich wäre etwas für sich selbst zu tun, wollte ich verhindern dass die Flammen ins Cockpit kamen. Also löste ich die Cockpitluke aus und sie flog weg. Das Flugzeug über das Dach zu verlassen war sehr gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit von dem Seitenleitwerk getroffen zu werden war furchteinlösend.

Ich kämpfte mich durch die Luke und irgendwie verstrickte ich mich mit dem Sauerstoff- und den Kommunikationskabeln im Flugzeug. Ich steckte fest, halb innerhalb und halb außerhalb der Dachluke. All dies tat ich ohne Helm und Handschuhe während die Flammen mich von rechts umhüllten. Ich trug immer noch meine Ray Ban Sonnenbrille.Flammen streiften meinen Oberkörper, versengten mein Gesicht und Kopfhaut. Die Haut meiner Hände und Handgelenke hing verbrannt runter, mein linker Arm war Blut durchtränkt, während die Erde unter mir immer näher und näher kam. Zurück im Cockpit versuchte ich den Kabelsalat zu lösen der mich am Ausstieg hinderte. Wieder drin, hatte ich wiederum Probleme auszusteigen.Jetzt war ich sogar noch schwächer durch die vielen Verbrennungen und Wunden von meinem ersten Ausstiegsversuch. Durch die Anspannung spürte ich den Schmerz mit all meinen Sinnen. Die zentrifugale Kraft des trudelnden Flugzeuges wurde mit jeder Sekunde intensiver. Es gab kein hoch oder tief nur die Erde, die auf Kollisionskurs immer näher kam. Ich füllte zum ersten Mal die Verzweiflung; in ein paar Minuten würde alles vorbei sein und das einzige was für mich blieb wäre dieses Gefühl des Friedens.Die Verzweifelung wurde stärker als ich an meine Familie und Freunde dachte, die mehr von mir erwarteten als diese passive Unterwerfung. Pruis war tot oder ohne Bewusstsein, doch meine Glieder reagierten immer noch auf meinen Willen. Meine klare Reaktion auf mein Schicksal machte mich wütend auf mich selbst. Wut stieß alle Charakterschwächen aus meinen Gedanken. Mit äußerster Anstrengung machte ich einen letzten verzweifelten Versuch auszusteigen.Das nächste was ich fühlte war wie ich durch die Luft flog. Beim Ausstieg schaute ich auf den Höhenmesser, 1000 Fuß. Ich vermutete dass ich das Flugzeug in einer Höhe von 800 Fuß verlassen hatte. Ich bin mir sicher, dass ich nicht bei vollem Bewusstsein war als ich die Reißleine zog.Ich wurde heftig zurück in das Bewusstsein gerissen als der Fallschirm sich öffnete. Ich machte 360 Grad Drehung als ich hinab schwebte, wahrscheinlich weil der rechte Brusthaken nicht befestigt war. Ich machte den Versuch das Geschirr richtig einzuhaken, schaffte es aber nicht durch die Verbrennungen und die Wunden an meinem Arm und meiner Hand. Da bemerkte ich erst dass ich an meinem linken Arm blutete.Beim hinab segeln bemerkte ich, dass Kampfflieger mich umkreisten. Es waren P-51 mit den RAF Rumpfkennungen. Die Mustangs kreisten nur ein paar Minuten bevor sie weiterflogen. Ich konnte das Flugzeug das uns beschoss nicht sehen. Das einzige was ich wusste, war dass die Geschosse diagonal von linkshinten durch den Flugzeugrumpf eingedrungen waren und dass Pruis und der Steuerbordmotor die volle Auswirkung zu spüren bekamen. Ich erinnere mich auch, dass die drei P-51 die zuvor vor uns flogen links abdrehten und dann hinter uns flogen.Als ich auf den Boden schaute konnte ich das Wrack der Mosquito sehen. Das Feuer beschränkte sich auf den rechten Motor und hatte sich nicht weiter auf das Flugzeug ausgebreitet. Die Flügel, die Nase und der vordere Teil des Rumpfes waren intakt. In diesem Moment fegte ein Windstoß meine Ray Ban von meiner Nase. Ich hatte Glück dass ich sie aufhatte, als ich ausstieg, da sie meine Augen vor den Flammen schützte.Unter mir waren Tannen mit langen und dürren Stämmen und eine Menge von dünnen, gebrechlichen Ästen. Ich versuchte den Fallschirm davon weg zu navigieren um in der Nähe von kleiner Obstbäumen zu landen, aber das versagte wegen der geringen Höhe. Der Fallschirm verfing sich in der Krone eines Tannenbaumes, in einer Höhe von ca.50 bis 75 Fuß.

Interessant war, dass durch die voraus gegangene Besprechung am Flugplatz, war mir bewusst, dass ich tief in Feindesland war.

Einige bewaffnete deutsche Soldaten waren in der Nähe von dem Baum in dem ich hing. Es schien als betrachteten sie meine missliche Lage schienen aber nicht all zu besorgt. Ich musste wohl mein Bewusstsein verloren haben, denn als ich wieder zu Bewusstsein kam waren die Soldaten weg.

Ich löste das Geschirr des Fallschirms mit großen Problemen. Meine Hände hatten schwere Verbrennungen, der linke Arm blutete und mein Gesicht fühlte sich an als ob es brannte. Das erste Hilfe Päckchen riss ab, als ich durch die Äste pflügte. Bei meinem Versuch, welcher durch mein Gewicht scheiterte, hinunter zu klettern brachen die Äste und ich fiel hinab. Ich fiel in senkrechter Position hinunter und traf den Boden.Ich machte den Versuch aufzustehen, aber die Schmerzen waren zu groß. Mein Rücken, der linke Knöchel, Knie und Fuß waren verletzt. Ich dachte daran einen Ast als Stütze zu verwenden um Hilfe zu suchen.Wir wussten, dass die Katholische Kirche eine gut funktionierende Untergrundorganisation im süddeutschen Raum hatte. Ich wollte so eine Organisation finden. Es war kurz vor Sonnenuntergang als ich zu einem Baumstamm krabbelte und versuchte aufzustehen. Physisch war dies hoffnungslos.Ich schaute auf meine Armbanduhr und außer des Randes des Ziffernblattes war sie verbrannt. Sie zeigte 17.45 Uhr. Es begann dunkel zu werden im Wald. Ich benötigte schnell medizinische Hilfe. Ich konnte kaum sehen. Ich entschied mich es mit den Deutschen zu riskieren anstelle die Nacht im Wald zu verbringen. Ich wunderte mich darüber, dass sie verschwunden waren.Ich trug immer eine Trillerpfeife an dem Reißverschluss meiner Jacke. Dies war ein RAF Brauch den ich angenommen hatte. Ich blies also in die Pfeife und hörte das Rascheln von Zweigen und Ästen. Ich pfiff noch einmal und da tauchte ein Soldat auf, der ein Gewehr im Anschlag hatte.Wir waren unterrichtet worden, falls möglich, es zu vermeiden in die Hände von Zivilisten, Jungendkorps, Gestapo oder der SS Truppen zu fallen. Da der Soldat eine zerfetzte Uniform trug und ich nicht gut sehen konnte, nahm ich an, dass er vom Jungendkorp war.

Als er mich dann fragte: „Yank“ war ich ziemlich irritiert.

 

Ich antwortete: „Ja. Aber was geht dich das an?“

 

Da antwortete der Soldat versöhnlich: „Alles klar Kumpel, wir sind auch Yanks.“

 

Er rief seinen sieben Kameraden zu dass er mich gefunden hatte und kam zu mir herüber. Die anderen folgten ihm.

 

Anscheinend hatten die amerikanischen Soldaten mich beobachtet, als ich mit der Mosquito abstürzte. Sie machten mir die Hölle heiß, weil ich das Flugzeug nicht früher verlassen hatte. Sie verfolgten eine kleine Truppe von SS Soldaten als sie bemerkten, dass unser Flugzeug Probleme hatte. Als sie mich ausstiegen sahen, gaben sie die Verfolgung auf und richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf meine Unterstützung. Ich hatte also deutsche Truppen gesehen und nicht erfunden.

 

Ich sagte den Soldaten, dass sie vorsichtig sein sollten. Ich dachte dass mein Rücken gebrochen war und wollte verhindern, dass das Rückgrat durchbrach. Sie zogen ihre Hemden und Jacken aus, holten zwei lange Äste und machten daraus ein Trage. Sie trugen mich den Hügel runter zu ihren zwei Jeeps. Ich wurde diagonal auf die Reifenplattform eines Jeeps gelegt und wurde festgehalten um zu verhindern, dass die Schlaglöcher auf der schlechten Strecke mir noch mehr zusetzten. Sie fuhren mich zur Ersten-Hilfe-Station, welche in einem besetzten deutschen Haus eingerichtet worden war. Ich wurde durch das Fenster zu den Medizinern nach innen gereicht.

 

Bevor die Soldaten ihre Patrouille fortsetzten, zogen sie sich ihre Hemden und Jacken, die sie benutzt hatten um die Trage für mich zu bauen, wieder an. Die Kleidung war von meinem Blut und Wundsekret durchtränkt. Ich fragte sie nach ihren Namen, damit ich ihnen zu einem späteren Zeitpunkt einen Dankesbrief senden konnte. Aber sie lehnten ab. Sie glaubten, dass das was sie für mich getan hatten zu ihrem ganz normal Dienst gehörte, obwohl ich anders darüber dachte. Dies war das letzte an das ich mich erinnern konnte, als ich zwei Tage später in einem amerikanischen Krankenhaus in Reims, Frankreich wieder aufwachte. Was wahrscheinlich auf die Wirkung des Morphiums zurück zu schließen war.

 

Einige Tage später bekam ich eine Notiz ausgehändigt, die in meinem Fliegeroverall steckte. Darauf stand: „Aufgelesen in der Nähe von Waldkatzenbach, Deutschland, ca. 10 km westlich von Eberbach, von 1st Sgt. Nelson Griffin und Jungs, Co. D. 1st Bn 410 Inf. Regt., 103rd Inf. Div., APO 470, C/O PM, New York City.“

Ich war schockiert über die Tatsache, dass ich ein Stifteset, das mir mein Bruder geschenkt hatte, verloren hatte. Ich hatte es für meine Navigationspflichten im Flugzeug immer benutzt. Es war ein persönliches Stück, das ich sehr schätzte.

Zu einem späteren Zeitpunkt, brachte mir jemand aus dem Krankenhaus einen Sack in dem meine persönlichen Gegenstände aufbewahrt worden waren. Und darin befand sich das Stifteset. Was für eine Überraschung. Wahrscheinlich hatte ich, in dem ganzen Trubel, unbewusst danach gegriffen und in meinen Fliegeranzug getan bevor ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin.

Es konnte bis heute nicht geklärt werden wer die Mosquito abschoss, war es eine deutsche Maschine oder die eigenen Maschinen? (friendley Fire)

 
 Die Absturzstelle Photo:privat
 
 Fundstelle des Feuerlöscher Photo:privat
 
 Feuerlöscher Photo:privat

Feuerlöscher gereinigt Photo:Gunter Baumann

 

 
 Fundstücke von der Absturzstelle Photo:privat
 

Innenraumbeleuchtung Photo:Gunter Baumann

 Armarturen Photo:privat

 

Signaleinrichtung bei Sauerstoffmangel Photo:Gunter Baumann

Seitenansicht Photo:Gunter Baumann

Zirkel von Navigator C.Moore Photo Gunter Baumann

Photo:Gunter Baumann

Wartungsklappe zur Tankreinigung Photo:Gunter Baumann

Rückseite Photo:Gunter Baumann

Gurtverstellung Pilotensitz und Schlossspange Photo:Gunter Baumann

Klaus Deschner

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